Der Schulhausbrand

Am 6. April 1911 brach im Ueker Schulhaus während der Prüfung der Gesamtschule ein Brand aus. Brandursache war ein beschädigter Kamin. Mit Wasser, das man in Kesseln und Kübeln vom benachbarten Brunnen herbeischaffte, konnte das Feuer allerdings bald gelöscht werden. Der anwesende Schulinspektor schilderte einen Monat später im Aargauer Schulblatt die Ereignisse wie folgt:

Nachdem ein stimmungsvolles Lied das Examen eröffnet hatte und die eigentliche Prüfung durch sinnige Ergründung der weisen Lehren der Bergpredigt in ihre stillgemessenen Bahnen gelenkt worden war, entsetzte blitzgleich ein hochtragischer Moment auf einmal Lehrer, Schüler und Inspektor, sowie die anwesenden Mitglieder der Schulpflege: Feuer im Schulzimmer! Feuer fällt unter Qualm und Krach von der Decke! Keine Beschreibung vermöchte in Darstellung der mannigfachen so jäh hereinbrechenden Erregungsmerkmale bei Klein und Gross der Wirklichkeit auch nur einigermassen nahekommen: Worte schildern Vorgänge, Worte bezeichnen Zustände; doch sie versagen bei Wiedergabe jener gleichsam zeit- und gegenstandslosen Momente erster tiefster Schreckempfindung.

Aber da löst schon der in Wort und Haltung rasch einsetzende und gar seltsam beruhigende Ernst des Herrn Lehrer Gerster die fürchterliche Spannung: das ist der Segen der Geistesgegenwart, die sich in geheimnisvoller Kraft der Umgebung mitteilt.

Durch zwei Türen und die wenig hoch über der Strasse befindlichen Fenster flüchten sich die Schüler unter Leitung von Inspektor und Lehrer ohne Unfall ins Freie; einige lassen ihre Schulsachen im Stich, andere besorgen deren Bergung mit Ruhe und Ueberlegung.

Indes rücken die Männer der Schulpflege, über dem Ofen den Feuerherd entdeckend, dem wild wachsenden Elemente auf den Leib und bändigen es durch energisches Eingreifen in kurzer Zeit. Denn die hilfsbereiten Knaben bringen Mengen von Wasser herbei, und bald ist das Feuer auf seinen Sitz lokalisiert, einen Balken, der mit einigen Axthieben aus seiner gefährdeten Umgebung entfernt wird.

Fehlerhafte Kaminkonstruktion nach Art alter Bauten scheint die Ursache des so glücklich abgelaufenen Vorfalls zu sein; wären nicht einige Erwachsene zur Stelle gewesen, so stünde das Schulhaus zu Ueken, für dessen Umbau die Pläne vorliegen, wohl nicht mehr. Selbst dieser Umstand vermochte im Hinblick auf dessen Reparaturbedürftigkeit nur gemischte Gefühle zu erwecken, ähnlich denjenigen, die die Kinder bei dem unfreiwilligen Abbruch der mit Bangen erwarteten Prüfung empfanden.